Seitz, N.-N., Lochbühler, K., Atzendorf, J., Rauschert, C., Pfeiffer-Gerschel, T., Kraus, L.

Trends des Substanzkonsums und substanzbezogener Störungen. Auswertung des Epidemiologischen Suchtsurveys von 1995 bis 2018

2019

Deutsches Ärzteblatt International, 116(35-36), 585-591. DOI: 10.3238/arztebl.2019.0585

Open Access
https://www.aerzteblatt.de/archiv/209390/Trends-des-Substanzkonsums-und-substanzbezogener-Stoerungen

Hintergrund: Veränderungen des Gebrauchs psychoaktiver Substanzen und Medikamente sowie substanzbezogener Störungen erlauben es, die zu erwartenden negativen Folgen für die Bevölkerung abzuschätzen.

Methode: Es werden Trends des Konsums von Tabak, Alkohol, Cannabis und anderen illegalen Drogen, der Einnahme von Analgetika und Hypnotika/Sedativa sowie Trends substanzbezogener Störungen nach dem Diagnostischen und Statistischen Manual Psychischer Störungen (DSM-IV) analysiert. Datengrundlage sind neun Erhebungen des Epidemiologischen Suchtsurveys (ESA) zwischen 1995 und 2018. Die Datenerhebung erfolgte schriftlich oder im Methodenmix anhand von schriftlichen und internetbasierten Befragungen oder telefonischen Interviews.

Ergebnisse: Die geschätzten Prävalenzen des Tabak- und Alkoholkonsums sowie der Einnahme von Hypnotika/Sedativa nahmen im zeitlichen Verlauf ab. Gegenläufige Trends der Prävalenzen ließen sich mit einer Zunahme des Cannabiskonsums, des Konsums anderer illegaler Drogen und der Einnahme von Analgetika beobachten. Die Trends substanzbezogener Störungen wiesen mit Ausnahme erhöhter Prävalenzwerte im Jahr 2012 für Nikotin (Abhängigkeit), Alkohol (Missbrauch und Abhängigkeit) sowie Analgetika und Hypnotika/Sedativa (jeweils Abhängigkeit) keine signifikanten Änderungen gegenüber dem Referenzwert von 2018 auf.

Schlussfolgerungen: Trends des Tabak- und Alkoholkonsums sprechen für eine künftige Abnahme der Bevölkerungsbelastung durch Morbidität, Mortalität und ökonomische Kosten. Bei Cannabis ist eine gegenläufige Entwicklung nicht auszuschließen. Die zeitliche Entwicklung der Prävalenz der Abhängigkeit von Analgetika lässt keine Zunahme erkennen. Die Zunahme des Gebrauchs von Analgetika ist jedoch kritisch zu hinterfragen.

 

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