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Frege, I., Vollmer, H. C., Domma-Reichart, J.

Therapieverlauf von MBOR Rehabilitanden

2018

Deutsche Rentenversicherung, DRV Schriften, Band 113, 169-171.

Zielstellung

Mit Aufnahme der ersten MBOR Rehabilitanden wurde in einer Psychosomatischen Fachklinik ein auf diese Gruppe abgestimmtes Therapieprogramm entwickelt (Frege & Domma-Reichart 2014), in der Hoffnung, dass die Rehabilitanden der Stufe B und C gleichermaßen erfolgreich behandelt werden können wie diejenigen der Stufe A, trotz der höheren psychischen Belastung zu Behandlungsbeginn (Frege, Vollmer & Domma-Reichart 2016). Unsere Fragestellung lautet daher: Inwiefern unterscheiden sich die Rehabilitanden der Stufen A, B und C im Therapieverlauf bei einem spezifischen Therapieprogramm?

Methoden

Alle sukzessiv aufgenommenen Rehabilitanden, die nicht Rentner, Hausfrau/-mann, Schüler und nicht älter als 65 Jahre waren, wurden entsprechend der Kriterien der DRV den drei MBOR Stufen A, B, C zugeordnet. Die 806 Patienten (A: 281; B: 456, C: 69) waren im Durchschnitt 47 Jahre alt (SD: 10,3). Davon waren 58% männlich, 39% hatten einen Hauptschulabschluss, 28 % Mittlere Reife, 24 % Abitur und 67 % waren bei Aufnahme arbeitsunfähig. Die häufigsten Erstdiagnosen nach ICD 10 waren rezidivierende depressive Störung (F33, 29%), Anpassungsstörung (F43, 22%), depressive Episode (F32, 21%) und pathologisches Glücksspiel (F63. 0,7%). Unterschiede in der Depressivität (BDI) und in der psychischen Belastung (GSI des BSI) wurden mittels univariater Varianzanalyse geprüft. Mittelwertsvergleiche: Kruskal-Wallis-Test, Häufigkeitsvergleiche für unabhängige Stichproben: Chi2 Test und für abhängige Stichproben: McNemar-Test. Als Signifikanzniveau wurde mittels Bonferroni Korrektur p=.006 festgelegt.

Ergebnisse

Die Rehabilitanden unterschieden sich nicht in der Art der Therapiebeendigung (regulär: 95,4%) aber in der Behandlungsdauer (Tage: A: 38,8; B: 35,2; C: 38,2; p<.001). Zu Behandlungsbeginn waren arbeitsunfähig: A: 32%, B: 86%, C: 85%. Von den arbeitsunfähigen Rehabilitanden wurden zu Behandlungsende 30,7% der Gruppe A, 18,2% der Gruppe B und 19% der Gruppe C als arbeitsfähig eingestuft (p<.001). Zu Beginn der Behandlung unterschieden sich die Patienten der MBOR Stufen im BDI (A: 18, B: 27: C. 29,6; p<.001) und im GSI (A: 1,0; B: 2,0; C: 1,7; p<.001). Eine Person gilt als depressiv ab BDI >13 und als auffällig stark psychisch belastet ab GSI > 0,62. Nur im GSI lag eine Wechselwirkung zwischen MBOR Stufe und Geschlecht vor, insofern, dass die psychische Belastung im Vergleich von Stufe B und C bei den Männern zunahm und bei den Frauen abnahm (p=.001). Unabhängig von der MBOR-Stufe, vom Alter und vom Geschlecht verbesserten sich die Rehabilitanden trotz korrigierter Kennwerte als Folge eines signifikanten Mauchly-Tests.  ignifikant im Vergleich Therapiebeginn und -ende im BDI und im GSI (Greenhouse-Geisser und Huynh-Feldt: p<.001), keine Wechselwirkungen zwischen Alter, Geschlecht und Zeit. Nur zu Therapieende lag für BDI und GSI keine Varianzhomogenität vor.

Fazit

Wie in unserer Pilotstudie mit einer anderen Stichprobe, sind die Rehabilitanden der Stufe B und C depressiver und wesentlich stärker psychisch belastet, so dass wir neben den MBOR spezifischen Maßnahmen (DRV Bund 2015) psychotherapeutische Interventionen für unverzichtbar halten (Frege et al. 2016). Dementsprechend wurde für die MBOR Patienten ein Programm entwickelt, in dem zusätzlich zu der berufsbezogenen Diagnostik, den Bedürfnissen der verschiedenen MBOR-Stufen Rechnung getragen wird. Während es in der MBOR Stufe A um eine Therapie geht, die ausgerichtet ist auf Lebenszufriedenheit und Wertschätzung des Erreichten, so geht es in der MBOR-Stufe B darum, die Resignation zu verhindern. Gut ist es sicherlich, wenn in der Rehabilitationseinrichtung Erfahrungen gemacht werden können, u.a., dass man doch noch etwas kann, weshalb Arbeitstherapie und teilweise Belastungserprobungen sinnvoll und hilfreich sind. Dies ist aber allein nicht ausreichend. In spezifischen psychotherapeutischen Gruppen muss gelernt werden, Distanz zu bestimmten Dingen aufzubauen. Für Patienten der Stufe C gehört auch die Schaffung einer (beruflichen) Perspektive (auch durch berufsbezogene Gruppen/ Berufscoaching) dazu. Vielleicht auch so etwas wie eine Sinngebung. Unsere Ergebnisse bestätigen das Vorgehen. Denn die Patienten der Stufen B und C, verbesserten sich unabhängig von Alter und Geschlecht gleichermaßen während der vier- bis sechswöchigen Behandlungszeit, wie die Patienten der Stufe A. Weniger erfolgreich waren die Verbesserungen in der Arbeitsfähigkeit. Ebenso wie bei den Werten zur psychischen Befindlichkeit wäre hier in Katamnesen zu prüfen, inwiefern sich die Patienten im Rahmen der nachfolgenden Betreuung weiter stabilisieren und Arbeitsfähigkeit erlangen. Bei der Bewertung der Ergebnisse sind die ungleich großen Stichproben und die heterogenen Varianzen zu Behandlungsende zu berücksichtigen. Trotz dieser Einschränkungen und dem Fehlen einer Kontrollgruppe gehen wir, basierend auf diesen Ergebnissen in Kombination mit unseren therapeutischen Erfahrungen, davon aus, dass die MBOR-spezifischen Maßnahmen, kombiniert mit spezifischen psychotherapeutischen Interventionen, für die Patienten sehr hilfreich für eine Wiedereingliederung in das Berufsleben sind.

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