Frischknecht, U., Hoffmann, S., Steinhauser, A., Lindemann, C., Buchholz, A., Manthey, J., Schulte, B., Rehm, J., Kraus, L., Verthein, U., Reimer, J., Kiefer, F.

Screening auf problematischen Alkoholkonsum – Erhebung zur Umsetzung der S3-Leitlinienempfehlungen in der transdisziplinären Versorgung einer Modellregion

2020

Gesundheitswesen, efirst. doi: 10.1055/a-1276-0475

Zum (kostenpflichtigen) Volltext: www.thieme-connect.de/products/ejournals/abstract/10.1055/a-1276-0475

Ziel Erfassung der Häufigkeit, mit der zentral in die Gesundheitsversorgung der Zielgruppe eingebundene Berufsgruppen auf problematischen Alkoholkonsum screenen. Die S3-Leitlinie „Screening, Diagnose und Behandlung alkoholbezogener Störungen“ empfiehlt „allen Patient/innen in allen Settings“ ein fragebogenbasiertes Screening anzubieten.

Methodik Querschnittsstudie zur Umsetzungshäufigkeit von Screenings auf problematischen Alkoholkonsum durch Fachärzt/innen (Allgemein- und Innere Medizin, Gynäkologie, Psychiatrie und Psychotherapie, Pädiatrie, Kinder- und Jugend- Psychiatrie), Psychotherapeut/innen, Sozialarbeiter/innen und Hebammen/Geburts-
helfer in der Modellregion Bremen. Mittels logistischer Regression wurden behandler/innenseitige Einflussfaktoren auf die Umsetzung von Screenings exploriert.

Ergebnisse Mit Rücklaufquoten von etwa 20% berichteten die verschiedenen Berufsgruppen, durchschnittlich bei 6,9% aller behandelten Patient/innen innerhalb der zurückliegenden 4 Wochen ein fragebogenbasiertes Alkoholscreening durchgeführt zu haben. Meist wurden eigene Formulierungen anstatt empfohlener Instrumente (AUDIT, AUDIT-C) genutzt. Höhere Screeningraten wurden für Patient/innen mit neu diagnostiziertem Bluthochdruck (21,2%), alkoholassoziierten Folgeerkrankungen (43,3%) und psychischen Störungen (39,3%) berichtet. Die Kenntnis der S3-Leitlinie war mit einer häufigeren Umsetzung von Screenings verbunden (OR=4,67; 95% KI 1,94–11,25, p<0,001).

Schlussfolgerungen Das von der Leitlinie empfohlene flächendeckende, fragebogenbasierte Screening auf problematischen Alkoholkonsum ist von einer praktischen Umsetzung weit entfernt. Maßnahmen zu einer breiteren Bekanntmachung der S3-Leitlinie erscheinen sinnvoll, um eine häufigere Anwendung von Alkoholscreenings im Gesundheitswesen zu fördern.

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