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Kraus, L., Seitz, N.-N., Schulte, B., Cremer-Schaefer, P., Braun, B., Verthein, U., Pfeiffer-Gerschel, T.

Schätzung der Anzahl von Personen mit einer Opioidabhängigkeit

2019

Deutsches Ärzteblatt, 116 (9), 137-143. DOI: 10.3238/arztebl.2019.0137

Open Access: https://www.aerzteblatt.de/medizin/wissenschaft?aid=205755

Hintergrund: Die Abhängigkeit von Opioiden zählt weltweit zu den häufigsten substanzbezogenen Störungen und verursacht eine erhebliche gesellschaftliche Belastung durch Morbidität und Mortalität. Den Umfang der opioidabhängigen Population zu kennen, ist eine Voraussetzung für gesundheitspolitische Maßnahmen.

Methode: Die Schätzung für das Jahr 2016 basiert auf einer Zählung von Personen in Deutschland mit einer Opioidabhängigkeit, die im Substitutionsregister gemeldet waren, einer Zählung der in der ambulanten und stationären Suchthilfe gemeldeten Personen ohne Substitutionsbehandlung und einer Hochrechnung auf alle Einrichtungen sowie einer Schätzung der Anzahl von Personen mit einer Opioidabhängigkeit, die weder im Substitutionsregister noch in der Suchthilfe erfasst waren.

Ergebnisse: Für Deutschland ergibt sich eine Gesamtschätzung von 166 294 Personen (untere und obere Grenzen: 164 794; 167 794) mit einer Opioidabhängigkeit, wobei 123 988 Männer (122 968; 125 007) und 42 307 Frauen (41 826; 42 787) betroffen sind. Die Schätzungen für die Bundesländer pro 1 000 Einwohner schwanken zwischen 0,1 in Brandenburg, 3,0 in Nordrhein-Westfalen bis 5,5 Bremen. Der deutschlandweite Durchschnittswert beträgt 3,1/1000 Einwohner.

Schlussfolgerungen: Vergleiche mit früheren Schätzungen legen den Schluss nahe, dass sich der Umfang der Personen mit einer Opioidabhängigkeit in Deutschland in den letzten 20 Jahren kaum verändert hat. Trotz methodischer Einschränkungen ist von einer hohen Validität der Schätzung auszugehen. Nahezu alle Personen mit einer Opioidabhängigkeit sind in Kontakt mit dem Suchthilfesystem.

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