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Frege, I., Vollmer, H. C., Domma, J.

MBOR-spezifische Unterschiede zur Ein-Jahres-Katamnese

2019

In Deutsche Rentenversicherung Bund (Hrsg.), 28. Rehabilitationswissenschaftliches Kolloquium (DRV-Schriften Band 117, S. 369-370). Berlin: Deutsche Rentenversicherung Bund

Medizinisch-beruflich orientierte Rehabilitation (MBOR)

Zielstellung Mit der MBOR wurde ein Angebot geschaffen, dass Rehabilitanden mit und ohne besondere berufliche Problemlagen (BBPL) gleichermaßen erfolgreich behandelt werden können. Inwiefern dieser Anspruch gelingt und inwiefern weitere individuelle MBOR-Angebote notwendig sind, überprüfen wir im Rahmen unseres Qualitätsmanagements anhand von Verlaufs- und Katamnese-Ergebnissen.

Methoden Alle sukzessiv aufgenommenen Rehabilitanden einer psychosomatischen Fachklinik, die nicht Rentner, Hausfrau/-mann, Schüler und nicht älter als 65 Jahre waren, wurden in die Auswertung einbezogen. Die 343 katamnestisch erreichten Rehabilitanden (MBOR: A: 135; B: 181; C: 27) waren im Durchschnitt 49,5 Jahre alt (SD: 9,8), 58 % waren männlich, 51,3 % wenigstens Mittlere Reife, 63,3 % waren bei Aufnahme arbeitsunfähig, 34,4 % arbeitslos. Die häufigsten Erstdiagnosen nach ICD-10 waren: F33.1 (25,9%), F32.1 (18,1%), F43.2 (15,2%) und F33.0 und F43.1 (jeweils 7,3%). In der im Durchschnitt 37tägigen Behandlung (SD=9,2) wurden MBORspezifische Maßnahmen (DRV Bund 2015, Frege & Domma-Reichart 2014) mit einer ressourcenorientierten Psychotherapie kombiniert. Ein Jahr nach Therapieende erhielten die Rehabilitanden einen Fragebogen zu Arbeitssituation, Nachsorgemaßnahmen und Psychischer Belastung (BSI).

Ergebnisse Die Rehabilitanden der MBOR Stufen unterschieden sich zur Ein-Jahres-Katamnese nicht im Katamneserücklauf (46,2 %), in der aktuellen Arbeitsunfähigkeit (16 %), in der Teilnahme an Nachsorgebehandlungen (40,2 %) und deren Dauer (M=26 Tage, SD=24,5). Rehabilitanden der Stufen B und C waren zur Einjahreskatamnese häufiger arbeitslos (Chi-Quadrat: p < .001, df=1, OR=4,1). Im Vergleich Therapiebeginn zu Katamnese wurden 29,6 % der Erwerbstätigen der Stufe B und C arbeitslos (McNemar: p < .001), bei Stufe A hingegen nur 10 %. Aber 76,1 % der Arbeitsunfähigen der Stufe B und C wechselten zu arbeitsfähig (McNemar: p < .001).

Eine dreifaktorielle Varianzanalyse mit Messwertwiederholung ergab bei Varianzhomogenität der drei Zeitpunkte Beginn, Ende der Behandlung und Ein-Jahres-Katamnese für die Psychische Belastung (GSI-Wert des BSI) signifikante Effekte bzgl. Veränderungen im GSI zu a) den drei Zeitpunkten (p < .001), b) der Wechselwirkung zwischen Zeit, MBOR Stufe und psychosomatische Nachsorgebehandlung (p=.01) und außerdem c) einen Einfluss der MBOR Stufen (p=.004). Alle Rehabilitanden der drei MBOR Stufen hatten sich zwischen Therapiebeginn und -ende in der Psychischen Belastung stark verbessert. Im Vergleich Therapieende und Ein-Jahres-Katamnese der Rehabiltanden mit Nachsorgebehandlung (vorwiegend ambulante Psychotherapie und/oder IRENA) verbesserten sich die Patienten der Stufe C weiterhin (von GSI 1,1 zu 0,7), Stufe B blieb unverändert (GSI: 1,3), Stufe A verschlechterte sich (von GSI 0,9 zu GSI 1,2). Bei den Patienten ohne Nachsorgebehandlung blieben die GSI-Werte der Stufen A und B zwischen Therapieende und Katamnese konstant, die Werte der Patienten der Stufe C verschlechterten sich erheblich (von GSI 1,1 zu 1,5). Der Cut off Wert des GSI beträgt 0,6.

Fazit Die Ergebnisse verdeutlichen einerseits, dass in einer ca. fünfwöchigen stationären psychosomatischen Rehabilitation für die Rehabilitanden der drei MBOR Stufen wesentliche Fortschritte erreicht werden können. Während der medizinischen Rehabilitation trifft dieses insbesondere auf die Arbeitsfähigkeit und die Psychische Belastung zu. Anderseits zeigen die Ergebnisse, dass eine fünfwöchige Behandlung nicht ausreicht. Ohne eine Nachsorge und/oder ohne eine längere stationäre Verweildauer verschlechtern sich die Rehabilitanden der Stufe C in der Psychischen Belastung und zusammen mit denen der Stufe B auch in ihrer Erwerbstätigkeit. Warum sich die Rehabilitanden der Stufe A in der Psychischen Belastung verschlechterten, obwohl sie an einer Nachsorgebehandlung teilgenommen hatten, wäre in weiteren Studien zu prüfen. Trotz der methodischen Einschränkungen dieser Studie, bedingt durch zu kleine Zellenbesetzungen und einem geringen Katamneserücklauf, bestätigen die Ergebnisse, dass eine psychosomatische stationäre Rehabilitation für alle MBOR Stufen wirksam ist und wahrscheinlich noch wirksamer werden kann. Außerdem wird unsere Hypothese einer Kombination von MBOR Maßnahmen und ressourcen-orientierter Psychotherapie für eine erfolgreiche Reintegration in das Berufsleben gestützt.

Literatur

DRV Bund (Hrsg.) (2015). Medizinisch-beruflich orientierte Rehabilitation. Verfügbar unter: http:// www.deutsche- rentenversicherung.de/cae/servlet/contentblob/207024/publicationFile/50641/mbor_datei. pdf.

Frege, I. & Domma-Reichart, J. (2014). Medizinisch-beruflich orientierte Rehabilitation (MBOR) der salus klinik Hürth. Unveröffentlichtes Manuskript.

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