Vollmer, H. C., Domma, J.

Alters- und geschlechtsspezifische Prädiktoren für Abstinenz nach stationärer Therapie alkoholabhängiger Persone

2021

Sucht, 67(3), 131–141. doi: 10.1024/0939-5911/a000711

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Zusammenfassung:
Hintergrund: Feldtheoretische Überlegungen veranlassten uns, entgegen dem in Katamnesestudien üblichen Vorgehen, eine getrennte Auswertung für Frauen und Männer verschiedener Altersgruppen vorzunehmen. Unsere Fragestellung lautete, inwiefern sich je nach Geschlecht und Alter unterschiedliche Prädiktoren für Abstinenz ergeben?

Methode: Katamnesestudie alkoholabhängiger Personen nach stationärer verhaltenstherapeutischer Behandlung, in der retrospektiv mittels binärer logistischer Regression und Mann-Whitney-U Tests Unterschiede zwischen zur Ein-Jahres-Katamnese rückfälligen und abstinenten Patientinnen (N=712) und Patienten (N=1019) getrennt für verschiedene Altersgruppen analysiert wurden. Zur Erreichung ausreichender Stichprobengrößen wurden die Altersgruppen mittels Quartilen gebildet: 19-41, 42-48, 49-54, 55-79 Jahre.

Ergebnisse: Frauen und Männer unterschieden sich nicht in der Abstinenzquote, mit Ausnahme der über 54-jährigen. Mit zunehmendem Alter steigt bei beiden Geschlechtern die Wahrscheinlichkeit für Abstinenz. Signifikante Prädiktoren (p<.01) mit mittlerer Effektstärke für Rückfall waren: vorherige stationäre Entwöhnungsbehandlungen bei den 42- bis 48-jährigen Frauen (OR: 3.6) und den über 54-jährigen Männern (OR: 4.5) und psychische Belastung bei den 42- bis 54-jährigen Männern (r=0.30). Rückfallkritische motivationale Schemata waren hohe Werte der Unzufriedenheit im Bereich das „Leben genießen“ (r=31) und „Leistung“ (r=36) bei den über 54-jährigen Frauen, „Kontrolle haben“ (r=30) bei den 42- bis 48-jährigen Männern und „Alleinsein“ bei den 49- bis 54-jährigen Männern (r=30).

Schlussfolgerungen: Unsere Ergebnisse sprechen für eine geschlechter- und alterssensible Forschung und Behandlung unter Einbeziehung sozioökonomischer Merkmale und motivationaler Schemata. Insbesondere bei den unter 42-jährigen Frauen und Männern besteht wegen der hohen Rückfallquote und fehlender Prädiktoren erhöhter Forschungsbedarf.

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