Kraus, L., Piontek, D., Pfeiffer-Gerschel, T., Rehm, J.

Inanspruchnahme gesundheitlicher Versorgung durch Alkoholabhängige

2015

Suchttherapie, 16 (1), 18-26

Ziel: Ziel der Studie ist eine Schätzung der Inanspruchnahme gesundheitlicher Versorgung durch Alkoholabhängige. Geschätzt werden die Anzahl Alkoholabhängiger in der Allgemeinbevölkerung, die Anzahl der Betroffenen mit einer entsprechenden Diagnose und die Anzahl derer, die das Suchhilfesystem in Anspruch nahmen. Methodik: Die Schätzungen beruhen auf aktuellen Daten zur Inanspruchnahme von Einrichtungen der Gesundheitsversorgung. Die Verfahren zu Hochrechnung werden ausführlich beschrieben. Ergebnisse: In Deutschland wird der Anteil Alkoholabhängiger in der Allgemeinbevölkerung (18+) für das Jahr 2012 auf 2,8 % oder 1,86 Mio. Personen geschätzt. Eine Abhängigkeitsdiagnose bei niedergelassen Ärzten erhielten etwa 649.000 Personen (Datenjahr 2009). Damit war etwa jeder dritte Alkoholabhängige (35,0 %) im Gesundheitssystem registriert. Etwa 297.000 Abhängige befanden sich im gleichen Jahr in Behandlung im Krankenhaus und/oder ambulanten/stationären Suchthilfeeinrichtungen. Insgesamt liegt die Betreuungsquote bei etwa 16 %. Der Anteil Alkoholabhängiger in stationärer Rehabilitationsbehandlung beträgt 1,8 %. Schlussfolgerungen: Die Schätzungen machen deutlich, dass zur Vermeidung von Morbidität und Mortalität im Zusammenhang mit Alkoholabhängigkeit erhebliche Anstrengungen notwendig sind. Als Möglichkeiten werden die Erhöhung der Erreichungsquote Alkoholabhängiger durch Frühintervention und Diversifizierung des Behandlungsangebots sowie ein Paradigmenwechsel in der Abstinenzorientierung diskutiert.

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