
Tim Pfeiffer-Gerschel, Martin Steppan & Jutta Künzel (zuletzt aktualisiert 23.5.2011)
Zielsetzung
Monitoringsysteme haben die Aufgabe, regelmäßig umfangreiche Datenmengen zu erfassen, auszuwerten und darzustellen, um eine möglichst repräsentative Übersicht über die Stabilität
und Veränderung von Merkmalen zu geben. Für die Suchtkrankenhilfe erfüllt die Deutsche Suchthilfestatistik (DSHS) diese Aufgabe seit fast 30 Jahren. Die ambulante und stationäre Versorgungssituation im Bundesgebiet wird in Form von aggregierten einrichtungs- und klientenbezogenen Daten erhoben und dargestellt.
Die jährliche Erhebung und Auswertung statistischer Daten über ambulante und stationäre Suchthilfeeinrichtungen und der von ihnen betreuten Personen ermöglicht die Beantwortung zentraler Fragestellungen. So erhalten Praktiker und Forscher einen Überblick über die aktuelle Situation, sowie Vertreter von Verbänden und Politik Ansatzpunkte für mögliche Änderungen
der Bedarfslage. Ziele der Suchthilfestatistik sind unter anderem die Analyse der Qualität des Versorgungssystems, die Beschreibung von Leistungsfähigkeit aber auch Mängeln des Ver-
sorgungsangebotes und die Ausarbeitung von Verbesserungsvorschlägen. Darüber hinaus
dienen die Ergebnisse für Trendanalysen in Hinblick auf Veränderungen bei den genannten Charakteristika und als Dokumentationsgrundlage für zahlreiche deutsche, europäische und internationale Berichterstattungszwecke (z. B. Ministerien und Verbände, EU-Behörden, WHO
und UN).
Auswertung 2009: Datenbasis
Für die jährlichen Analysen der DSHS werden die Auswertungen für die Beratungs- und/oder Behandlungsstellen sowie Fach- und Institutsambulanzen zusammenfassend als „ambulante“ Einrichtungen definiert. In die zusammenfassende „stationäre“ Auswertung gehen die Daten aus teilstationären und stationären Rehabilitationseinrichtungen sowie den Adaptionseinrichtungen ein [1]. Diese Zusammenfassungen in „ambulant“ und „stationär“ gewährleisten eine relativ hohe interne Datenhomogenität der beiden Gruppen.
Insgesamt haben sich dieser Definition entsprechend 2009 779 ambulante Einrichtungen mit Daten von 316.075 Klienten sowie 157 stationäre Einrichtungen mit Daten von 38.618 Patienten an der DSHS beteiligt.
Einrichtungen, die sich nicht an der Jahresauswertung beteiligen, verwenden entweder einen
nicht kompatiblen Datensatz, eine Software, die nicht den Anforderungen des Deutschen Kern-
datensatzes zur Dokumentation in der Suchtkrankenhilfe (KDS) in seiner aktuellen Form ent-
spricht (und daher nicht durch das IFT zertifiziert wurde). Dabei handelt es sich in der Regel um Eigenentwicklungen von Einrichtungen und Trägern. Darüber hinaus gibt es auch nach wie vor Einrichtungen, die überhaupt keine Dokumentationssoftware einsetzen (nur schriftliche Dokumentation) oder sich aus anderen Gründen nicht an der DSHS beteiligen.
[1] Zur Vereinfachung werden im Folgenden die Begriffe „ambulant“ und „stationär“ entsprechend dieser Definition synonym für Daten ausschließlich aus den genannten Einrichtungstypen verwendet.
Hinweis: Der Anteil der Diagnosegruppen mit Pathologischem Glücksspielverhalten und Ess-
störungen wird durch die Suchthilfestatistik wahrscheinlich unterschätzt, da ein wesentlicher
Anteil dieser Personengruppen nicht nur in Suchthilfeeinrichtungen, sondern auch in anderen Beratungsstellen, in psychosomatischen Rehabilitationseinrichtungen sowie durch niedergelassene Psychotherapeuten und Ärzte behandelt werden. Die Gesamtzahl der in Deutschland behandelten Personen mit entsprechenden Problemlagen ist (insbesondere im stationären Bereich) deshalb möglicherweise höher, als sich durch die Hochrechnung der Fallzahlen aus der Suchthilfestatistik
für diese beiden Diagnosegruppen ergibt (vgl. Monitoring für Pathologisches Spielverhalten / Behandlungsfälle).
Ausgewählte Ergebnisse
Im Folgenden (siehe Abbildungen) wird eine Auswahl der Ergebnisse der Datenauswertung jeweils getrennt für ambulante und stationäre Einrichtungen dargestellt:
- Verteilung der Hauptdiagnosen
- Alter bei Behandlungsbeginn
- Geschlechterverteilung bei den Hauptdiagnosen
- Art der Beendigung der Behandlung.
Die umfassenden Tabellenbände der DSHS zu ambulanten und stationären Einrichtungen für alle Erhebungsjahre ab 2001 stehen im Internet unter www.suchthilfestatistik.de zum Download bereit. Die aktuellen Daten beziehen sich auf das Datenjahr 2009 und wurden 2010 als Tabellenbände veröffentlicht. Darüber hinaus wurden diese Daten in kommentierter Form zu Beginn des Jahres 2011 in einem Betrag im Jahrbuch Sucht 2011 der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (Pfeiffer-Gerschel et al., 2011) und in einem Online-Bericht (Steppan et al., 2010; www.suchthilfestatistik.de) publiziert.
Finanzierung
Die Deutsche Suchthilfestatistik wird finanziell durch das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) gefördert.
Literatur
Steppan, M., Künzel, J. &Pfeiffer-Gerschel, T. (2011). Jahresstatistik 2009 der professionellen Suchtkrankenhilfe. In DHS (Hrsg.), Jahrbuch Sucht 11 (S. 196 - 221). Geesthacht: Neuland.
Steppan, M., Künzel, J. & Pfeiffer-Gerschel, T. (2010). Suchtkrankenhilfe in Deutschland 2009. Jahresbericht der Deutschen Suchthilfestatistik. Verfügbar unter www.suchthilfestatistik.de.



