[Zuletzt aktualisiert 22.7.2010]
Die folgenden Abbildungen beziehen sich auf die Daten der Statistik, die in ambulanten und stationären Suchthilfeeinrichtungen geführt und jährlich zentral ausgewertet wird (Deutsche Suchthilfestatistik). Da die Teilnahme an der Jahreserhebung in den letzten Jahren zugenommen hat, sind zum Vergleich immer die Bezugsdaten zur Deutschen Suchthilfestatistik heranzuziehen. Die Angaben beziehen sich auf alle Diagnosen.
Hinweise:
(1) Es gibt starke Schwankungen des Spieleranteils zwischen den Einrichtungen, sodass eine einfache Hochrechnung der Daten aus den ausgewerteten Einrichtungen auf alle ambulanten und stationären Einrichtungen der Suchtkrankenhilfe möglicherweise fehlerhaft ist. Der mögliche Fehler ist aber wegen der guten Ausschöpfungsquote in ambulanten Einrichtungen (47%) eher als gering einzuschätzen. Unter Berücksichtigung dieses Hinweises kann man die Gesamtzahl der Spieler in den Einrichtungen der Suchtkrankenhilfe für 2008 folgendermaßen vorsichtig schätzen (Hauptdiagnosen):
- Ambulante Einrichtungen
Erfasst: 4.362 Fälle (N=696 Einrichtungen; Bezugsgruppe: Zugänge/Beender) (Pfeiffer-Gerschel, Hildebrand & Wegmann, 2009)
Ausschöpfungsquote: ca. 44 % (Vergleich mit DBDD-Einrichtungsregister, März 2010)
Hochrechnung: ca. 9.883 Fälle
- Stationäre Einrichtungen
Erfasst: 333 Fälle (N=131 Einrichtungen; Bezugsgruppe: Beender) (Pfeiffer-Gerschel, Hildebrand & Wegmann, 2009)
Ausschöpfungsquote: ca. 30 % (Vergleich mit DBDD-Einrichtungsregister, März 2010)
Hochrechnung: ca. 1.116 Fälle
Diese Hochrechnungen gehen vereinfachend davon aus, dass die Zahl und Verteilung der pathologischen Glücksspieler in denjenigen Einrichtungen, die sich an der Deutschen Suchthilfestatistik beteiligen, ebenso hoch ist, wie in den Einrichtungen, deren Daten nicht in die Deutsche Suchthilfestatistik eingehen.
(2) Spieler werden nicht nur in Suchthilfeeinrichtungen, sondern auch in anderen Beratungsstellen und in psychosomatischen Rehabilitationseinrichtungen behandelt. Für den ambulanten Bereich ist die Zahl der Behandlungsfälle außerhalb der Suchthilfeeinrichtungen unbekannt. Für stationäre Einrichtungen wurden von der Deutschen Rentenversicherung im Jahr 2008 insgesamt 695 stationäre Leistungen zur medizinischen Rehabilitation und sonstige Leistungen zur Teilhabe für Erwachsene finanziert.
Dies bedeutet, dass die von uns vorgenommene Hochrechnung aus 33% der stationären Einrichtungen der Suchtkrankenhilfe (1.116 Fälle) die Gesamtzahl der behandelten Fälle (Hauptdiagnosen) überschätzt (siehe oben). Der Grund dürfte in der sehr ungleichen Verteilung der Diagnosen in den stationären Einrichtungen liegen.
Zusammenfassend kann man davon ausgehen, dass 2008 etwa 700 bis 1.000 Patienten mit der Hauptdiagnose "Pathologisches Glücksspiel" stationär in Deutschland behandelt wurden.
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Diagnosen für Pathologisches Glücksspiel (ambulant)
Es fällt auf, dass sich die Anzahl der Hauptdiagnosen und die der Einzeldiagnosen für Pathologisches Glücksspiel (alle Glücksspiele; keine Aufschlüsselung) nur geringfügig unterscheidet, was bedeutet, dass bei Kodierung einer Glücksspielproblematik diese meist gleichzeitig auch behandlungsleitend ist.
Insgesamt hat sich die Gesamtzahl aller Patienten mit einer Hauptdiagnose für pathologisches Glücksspiel zwischen 2000 und 2008 mehr als vervierfacht, wobei die Zahl der teilnehmenden Einrichtungen um 88% zugenommen hat. Um tatsächliche Veränderungen zu erfassen, ist deshalb die Zahl der Patienten pro Einrichtung und Jahr aussagekräftiger.
Die Zahl der Patienten pro Einrichtung mit der Hauptdiagnose „Pathologisches Glücksspiel-
verhalten“ ist im ambulanten Suchthilfebereich von durchschnittlich 2,6 Patienten im Jahr 2000 auf durchschnittlich 6,3 Patienten im Jahr 2008 angestiegen. In den Jahren 2000 bis 2007 gab es bei den Hauptdiagnosen nur leichte Schwankungen pro Jahr. Von 2007 auf 2008 zeigt sich dann ein sehr deutlicher Anstieg um 50% von 4,2 auf 6,3 Patienten pro Einrichtung. Inwieweit hier lang-
fristig eine Zunahme auf diesem Niveau stattfindet, muss in den Folgejahren untersucht werden. Ein ähnlicher Trend zeigt sich auch bei den Einzeldiagnosen, wobei hier ein sprunghafter Anstieg um ca. 30% bereits ein Jahr früher - von 2006 auf 2007- stattgefunden hat, ein Trend, der sich auch von 2007 auf 2008 fortgesetzt hat.
Ambulant betreute Patienten mit der Hauptdiagnose Pathologisches Glücksspiel weisen 2008 -wie in den vorausgehenden Jahren auch - komorbide Störungen hauptsächlich in den Bereichen Tabak, Alkohol und Cannabis auf.
Diagnosen für Pathologisches Glücksspiel (stationär)
Wie im ambulanten Setting (siehe oben) hat sich auch in stationären Einrichtungen die Gesamtzahl vergebener Glücksspieldiagnosen erhöht. Dies betrifft vor allem die Kodierung als Hauptdiagnose, die 2008 zehn Mal so häufig erfasst wurde wie im Jahr 2000. In diesem Zeitraum hat die Anzahl der teilnehmenden stationären Suchthilfeeinrichtungen zugenommen, sodass auch hier die Zahl der Patienten pro Einrichtung aussagekräftiger ist. Aufgrund des Wechsels der Bezugsgruppe ab 2002 sollten mögliche Veränderungen erst ab diesem Jahr analysiert werden (2000 und 2001: Zugänge/Beender; ab 2002: Beender).
Die Entwicklung der Zahl der Patienten pro Einrichtung ist prozentual ähnlich wie im ambulanten Bereich. Die Patientenzahl ist hier von 1,6 Patienten im Jahr 2002 auf 2,5 Patienten im Jahr 2008 gestiegen, was einem Zuwachs – bei geringem Ausgangsniveau - von über 50%. Zu beobachten ist dabei, dass sich die Patientenzahlen seit einem größerem Anstieg auf 3,3 im Jahr 2004 auf einem annähernd gleich bleibenden Niveau (zwischen 2,4 und 2,7 Patienten) eingependelt haben.
Auch im stationären Bereich wurden 2008 bei Patienten mit der Hauptdiagnose Pathologisches Glücksspiel zusätzlich Störungen in den Bereichen Tabak, Alkohol und Cannabis diagnostiziert, allerdings in wesentlich höherem Umfang als bei den ambulant betreuten Patienten (z.B. Tabak: 18,4% ambulant; 78,4% stationär).
Durchschnittsalter Pathologischer Glücksspieler (ambulant/stationär)
| Das durchschnittliche Alter von Patienten mit einer Hauptdiagnose für Pathologisches Glücksspielverhalten ist in ambulanten und stationären Einrichtungen ähnlich. Über die letzten Erhebungsjahre zeigt sich ein leichter Anstieg der Werte, wobei sich im stationären Bereich nach einem deutlicheren Anstieg des Alters bei den stationär behandelten Patienten in 2006 von 37,6 auf 39 Jahre und einem Verbleib auf diesem Niveau in 2007, sich der Wert auch hier wieder bei ca. 37 Jahren eingependelt hat. Die Veränderungen zwischen 2001 und 2002 im stationären Bereich sind aufgrund unterschiedlicher Bezugsgruppen nicht interpretierbar (2001: Zugänge/Beender; ab 2002: Beender). |
Geschlechterverteilung bei Pathologischen Glücksspielern (ambulant)
| Pathologisches Glücksspiel ist vor allem ein Männerproblem. Im ambulanten Bereich wird diese Hauptdiagnose nur selten bei Patientinnen vergeben. Das Verhältnis weiblicher zu männlichen Patienten beträgt etwa 1:9. |
Geschlechterverteilung bei Pathologischen Glücksspielern (stationär)
Auch im stationären Bereich wird die Hauptdiagnose Pathologisches Glücksspiel beinahe ausschließlich bei Männern gestellt. Patientinnen mit dieser Hauptdiagnose sind nach wie vor eine Ausnahmeerscheinung. |
Durchschnittliche Behandlungsdauer bei Pathologischen Glücksspielern in Wochen (ambulant und stationär)
Die durchschnittliche Behandlungsdauer im ambulanten Bereich ist ca. 2,5 mal so hoch wie im stationären Setting. Während sich seit 2001 in stationären Einrichtungen nur minimale Schwankungen zeigen, fand im ambulanten Setting ein stetiger leichter Anstieg bis 2005 statt, der von 2005 bis 2008 jedoch wieder rückläufig war und nun in 2008 mit ca. 25 Wochen eine ähnliche Behandlungsdauer wie in 2001 vorliegt. |
Durchschnittliche Kontaktzahl bei Pathologischen Glücksspielern (ambulant)
| Die durchschnittliche Kontaktzahl in ambulanten Einrichtungen weist nach einem deutlichen Anstieg in den Jahren 2005 bis 2007 auf 14,7 Kontakte, in 2008 einen ebenso deutlichen Rückgang auf 11,3 Kontakte auf. |
Art der Beendigung bei Pathologischen Glücksspielern (ambulant)
| Es zeigt sich, dass 2008 in ambulanten Einrichtungen etwas mehr Betreuungen unplanmäßig (53,7%) als planmäßig (46,3%) beendet wurden. Nach einem deutlich höheren Anteil von unplanmäßigen Beendigungen in den Jahren 2000 bis 2002, war über einige Jahre (2003 bis 2006) der Anteil planmäßiger und unplanmäßiger Beendigungen annähernd gleich. Seit 2007 zeigt sich wieder ein etwas höherer Anteil unplanmäßiger und ein dementsprechend niedrigerer Anteil planmäßiger Abschlüsse (2008: 53,7 % vs. 46,3%). |




