Unter „Pathologischem Glücksspielverhalten“ wird ein Syndrom psychopathologischer Störungen auf der Verhaltens-, kognitiven und emotionalen Ebene nach den Kriterien der Klassifikationssysteme ICD-10 und DSM-IV verstanden.

Die beiden Klassifikationssysteme DSM (Diagnostisches Manual) in der Version IV (deutsche Bearbeitung von Saß, Wittchen, Zaudig & Houben 1998) bzw. ICD (Internationale Klassifikation von Krankheiten) in der Version 10 (Dilling, Mombour & Schmidt, 2005) haben von der Konzeption her relativ ähnliche, im Detail aber unterschiedlich ausführliche Leitlinien für die Klassifikation gestörten Spielverhaltens.


Pathologisches Glücksspielverhalten nach DSM-IV

Das DSM definiert das pathologische Glücksspielen unter Störungen der Impulskontrolle, die nicht andernorts klassifiziert sind (312.31). Das pathologische Glücksspielverhalten wird als chronisch-rezidivierendes, maladaptives Glücksspielverhalten charakterisiert, das zumindest fünf von 10 diagnostischen Kriterien erfüllen muss. Diese beschreiben spielbedingte psychopathologische Symptome auf der Verhaltens-, kognitiven und emotionalen Ebene (s. Tabelle). Gleichzeitig muss differentialdiagnostisch das Vorliegen einer manischen Episode ausgeschlossen sein.


Pathologisches Glücksspielverhalten nach ICD-10

Innerhalb des ICD-10 wird Pathologisches Glücksspielverhalten (F63.0) im Rahmen der Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen (F6) als eine Form der abnormen Gewohnheiten und Störungen der Impulskontrolle (F63) eingeordnet. Zur Klassifikation des pathologischen Glücksspielverhaltens selbst wird angegeben, dass das Glücksspiel die Lebensführung der betroffenen Personen beherrscht und zum Verfall der sozialen, beruflichen, materiellen und familiären Werte und Verpflichtungen führt (s. Tabelle). ICD-10 schließt differentialdiagnostisch die Diagnose für pathologisches Glücksspielverhalten dann aus, wenn (1.) eine, auch exzessiv spielende Person, ihr Verhalten selbsttätig einschränkt, sobald es zu negativen Auswirkungen führt. Weiterhin darf pathologisches Glücksspielverhalten nicht klassifiziert werden bei (2.) exzessivem Spielen manischer Patienten und (3.) bei Personen mit soziopathischer Persönlichkeit, da es in diesen Fällen lediglich ein Symptom einer anderen Störung darstellt.


Diagnostische Leitlinien für Pathologisches Glücksspielen in ICD (Dilling et al., 2005) und DSM (Saß et al., 1998)

ICD-10

DSM-IV

F6      Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen

 

F63    Abnorme Gewohnheiten und Störungen der Impulskontrolle

312.       Störungen der Impulskontrolle, nicht andernorts klassifiziert

F63.0 Pathologisches Glücksspielen

312.31    Pathologisches Glücksspielen

 

Diagnostische Leitlinien

Diagnostische Leitlinien

Dauerndes, wiederholtes Spielen

Anhaltendes und oft noch gesteigertes Spielen trotz negativer sozialer Konsequenzen, wie

  • Verarmung
  • gestörte Familienbeziehungen
  • Zerrüttung der persönlichen Verhältnisse

 

A    Andauerndes und wiederkehrendes, fehlangepasstes Spielverhalten, was sich in mindestens fünf der folgenden Merkmale ausdrückt

1.       Starke Eingenommenheit vom Glücksspiel (z.B. starke gedankliche Beschäftigung mit Geldbeschaffung)

2.       Steigerung der Einsätze, um gewünschte Erregung zu erreichen

3.       Wiederholte erfolglose Versuche, das Spiel zu kontrollieren, einzuschränken oder aufzugeben

4.       Unruhe und Gereiztheit beim Versuch, das Spiel einzuschränken oder aufzugeben

5.       Spielen, um Problemen oder negativen Stimmungen zu entkommen

6.       Wiederaufnahme des Glücksspiels nach Geldverlusten

7.       Lügen gegenüber Dritten, um das Ausmaß der Spielproblematik zu vertuschen

8.       Illegale Handlungen zur Finanzierung des Spielens

9.       Gefährdung oder Verlust wichtiger Beziehungen, von Arbeitsplatz und Zukunftschancen

10.   Hoffnung auf Bereitstellung von Geld durch Dritte

 

 


Literatur

Dilling, H., Mombour, W. & Schmidt, M.H. (Hrsg.). (2005). Internationale Klassifikation psychischer Störungen. ICD-10 Kapitel V (F). Klinisch-diagnostische Leitlinien. Bern, 5. Auflage: Huber.

Saß, H., Wittchen, H.-U., Zaudig, M. & Houben, I. (1998). Diagnostische Kriterien des Diagnostischen und Statistischen Manuals Psychischer Störungen DSM IV. Göttingen: Hogrefe.

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