| Gesundheitsförderung durch Lebenskompetenzprogramme in D ... | |
Bühler, A. & Heppekausen, K. (2005). Gesundheitsförderung durch Lebenskompetenzprogramme in Deutschland. Grundlagen und kommentierte Übersicht (Gesundheitsförderung Konkret Band 6). Köln: Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. | |
| Der Begriff"Lebenskompetenzförderung" hat seit Beginn der 90er Jahre eine rasche Verbreitung erfahren. Nach der Weltgesundheitsorganisation ist lebenskompetent, § wer sich selbst kennt und mag, § empathisch ist, § kritisch und kreativ denkt, § kommunizieren und Beziehungen führen kann, § durchdachte Entscheidungen trifft, § erfolgreich Probleme löst § und Gefühle und Stress bewältigen kann.Das Konzept der Lebenskompetenz lässt sich in viele gesundheitsbezogene Theorien einbetten und ist als Strategie der Gesundheitsförderung zu verstehen. Ziel der vorliegenden Publikation ist es, einen fundierten Überblick über deutschsprachige Programme zur Lebenskompetenzförderung zu geben, die zugänglich und evaluiert sind. Sie wendet sich an alle in der Gesundheitsförderung Tätigen, die über den Einsatz der Programme entscheiden und/oder sie selbst durchführen.Es konnten 25 deutschsprachige Lebenskompetenzprogramme ausgemacht werden, die dem Interessierten zugänglich und wissenschaftlich evaluiert sind. Die meisten Programme wurden in den neunziger Jahren entwickelt und sind in den letzten 5 Jahren erschienen oder überarbeitet worden. Sie werden in Steckbriefen anhand von 6 Dimensionen beschrieben und zusammenfassend analysiert und bewertet. Damit ist dem Praktiker die Möglichkeit gegeben, für sein Arbeitsfeld das Programm zu identifizieren, das er braucht. Durch die Programme wird die Altersgruppe der Kinder und Jugendlichen als auch die der Erwachsenen abgedeckt. Die Bereiche, in denen sie eingesetzt werden, sind: allgemeine Förderung von Lebensfertigkeiten und gesundheitsfördernden Lebensweisen wie Ernährung und Bewegung sowie Prävention von Substanzmissbrauch, Aggression und Gewalt und Angststörungen und Depression. Ebenso konnten auch Programme zur beruflichen Entwicklung identifiziert werden.Die Schule ist das Setting, in dem die meisten Programme durchgeführt werden. Sie konzentrieren sich meistens auf die Arbeit mit dem Individuum und weniger auf die mit seinem sozialen Umfeld. Erfreulicherweise sind alle Programme theoretisch fundiert und bauen meist auf bereichsspezifischen Theorien und Konzepten auf. Alle hier vorgestellten Maßnahmen trainieren einen breiten Kanon an Lebensfertigkeiten und nennen sich zurecht Lebenskompetenzprogramme. Wie erwünscht werden überall eher interaktive und verhaltensbezogene Methoden eingesetzt. Besonderheiten von Untergruppen der Teilnehmer wie z.B. das Geschlecht finden nur selten Berücksichtigung in denMaterialien. Die erwünschte Umsetzbarkeit und Akzeptanz der Maßnahmen ist fast überall dokumentiert. Die Wirksamkeit der Programme ist bisher teilweise durch qualitativ hochwertige Studien (insbesondere im Präventionsbereich Substanzmissbrauch und Angst/Depression) überprüft worden und teilweise sind die durchweg gut angelegten Studien noch nicht beendet. Allerdings gibt es vereinzelt auch wenig aussagekräftige Studien. Bei der Beurteilung der Wirksamkeit haben wir uns auf kontrollierte Studien (mit Kontrollgruppe, randomisierte oder nicht randomisierte Zuordnung zu den Gruppen) beschränkt. Hinsichtlich der Effekte auf die Lebenskompetenz reicht die Datenbasis noch nicht aus, um eine endgültige Bewertung der Beeinflussung von Lebensfertigkeiten zu erlauben. Dies liegt auch an mangelnden Evaluationsinstrumenten. Bisher gibt es Hinweise für die Förderung der Lebenskompetenz durchdie positive Beeinflussung gesundheitsförderlicher Schutzfaktoren wie Selbstwert, soziale Kompetenz/Sozialverhalten, Standfestigkeit und Alltagsbewältigung. Die Programme im Bereich Prävention von Substanzmissbrauch und Angststörungen/Depression sind am vielversprechensten. Risikofaktoren des späteren Substanzmissbrauchs, von Angststörungen und Depression wie verfrühter Konsum, frühe depressive Symptome und Angstsymptome wurden beeinflusst. Um die tatsächliche Reduktion späterer psychischer Störungen durch die Präventionsbemühung zu beurteilen, bräuchte es langfristigere Studien. Valide Aussagen zu den unspezifischen Programmen mit Kindern und Jugendlichen sind mangels Daten nicht möglich. Im Erwachsenenalter können Effekte auf gesundheitsförderliche Verhaltensweisen (Ernährung) und Alltagsbewältigung sowie subjektive Gesundheit und körperliche Beschwerden beobachtetwerden.Zusammenfassend beurteilt ist das Potenzial, das Lebenskompetenzprogramme theoretisch haben, in Umsetzung und Wirksamkeit sicher noch nicht ausgeschöpft. Die erfreulich weit verbreitete theoretische Fundierung der Programme verspricht zukünftig die in der Gesundheitsförderung und Prävention zu erwartenden Erfolge. | |
Buehler_Heppekausen_2005.pdf |
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