| PHAR-MON Medikamenten Frühwarnsystem (ebis-med) | |
| Projekttitel: | Monitoring-System PHAR-MON (ebis-med): Erhebung problematisch gebrauchter Medikamente bei Klienten ambulanter Suchthilfeeinrichtungen |
| Laufzeit: | 01.01.11-31.12.12 |
| Projektleiter: | Dr. Tim Pfeiffer-Gerschel |
| Föderung: | Bundesministerium für Gesundheit (BMG) |
| Beschreibung: | Eine Hochrechnung von Daten zum Medikamentenmissbrauch aus der Repräsentativerhebung zum Konsum und Missbrauch psychoaktiver Substanzen (Kraus & Augustin, 2001), die im Jahr 2000 erstmals auch Diagnosekriterien für Medikamentenabhängigkeit umfasste, ergab eine Prävalenz von 1,9 Millionen Arzneimittelabhängigen in Deutschland und betonte die Bedeutung des Missbrauchs von Medikamenten. Das Monitoring-System Phar-Mon leistet seit vielen Jahren einen Beitrag dazu, die auf dem deutschen Markt befindlichen Medikamente in ihrer Bedeutung für die Entwicklung von Missbrauch und Abhängigkeit bei Klienten in Suchtberatungsstellen zu untersuchen. Der Medikamentenmissbrauch bei diesen Klienten wird hinsichtlich der Wirkstoffe, der Wirkstoff- und der Arzneimittelgruppen sowie der Konsumgewohnheiten und der Bezugsquellen beschrieben. Die erhobenen Daten liefern Hinweise auf das Risikopotential der Medikamente und auf spezifische Risiken einzelner Klientengruppen. Trends des Medikamentenmissbrauchs über die Zeit werden erfasst. Aktuelle Phar-Mon Analysen widmeten sich dem Missbrauch von Substitutionsmitteln, Antidepressiva und Schlaf-/Beruhigungsmitteln.
Im Jahr 2007 bestand die Phar-Mon Stichprobe aus 34 Beratungsstellen („Referenzeinrichtungen“), die 393 Medikamentennennungen von 285 Patienten erhoben haben (Casati, Küfner & Pfeiffer-Gerschel, 2010). Auswertungen dieser Daten zeigen, dass der Missbrauch von Substitutionsmitteln unter Opioidabhängigen zwischen 2003-2007 kontinuierlich angestiegen ist. Gleichzeitig verringerte sich die missbräuchliche Einnahme von Sedativa/Hypnotika innerhalb dieser Klientengruppe leicht. In einer Längsschnittanalyse zum Antidepressiva-Missbrauch wurden die Daten von 2001 bis 2007 berücksichtigt (Küfner et al., 2009). Unter Klienten ambulanter Suchtberatungsstellen werden vor allem trizyklische Antidepressiva missbräuchlich verwendet. Doxepin ist das bei weitem am häufigsten missbrauchte Antidepressivum. Der Missbrauch von Antidepressiva ist vor allem in einem kombinierten Konsum mit anderen psychoaktiven Substanzen zu sehen weil er wahrscheinlich zur Modulation der Substanzwirkung von Drogen bzw. zur Reduktion der negativen Auswirkungen des Drogenkonsums eingenommen wird. In einer weiteren Schwerpunktuntersuchung wurde der Missbrauch von Benzodiazepinen und so genannten „Z-Drogen“ (Zolpidem, Zopiclon, Zaleplon) anhand unterschiedlicher Substanz-bezogener Hauptdiagnosen untersucht (Casati, 2009).
Literatur
Casati, A. (2009). Z-Drogen: Nachfolger der Benzodiazepine? SuchtMagazin, 6: 14-18.
Casati, A., Küfner, H. & Pfeiffer-Gerschel, T. (2010). Medikamentenmissbrauch: Was Suchtkranke zusätzlich einnehmen. Ergebnisse des Monitoring Systems Phar-Mon. (eingereicht).
Kraus, L. & Augustin, R. (2001). Repräsentativerhebung zum Gebrauch psychoaktiver Substanzen bei Erwachsenen in Deutschland 2000. Sucht, 47 (Sonderheft 1), S3-S86.
Küfner, H., Rösner, S., Pfeiffer-Gerschel, T., Casati, A. (2009). Missbrauch von Antidepressiva bei Suchtpatienten in psychosozialen Beratungsstellen. Suchtmedizin, 11 (3): 106-114. |
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